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Ralph Giordano Lesung bei der Buchmesse Karlsruhe

Mein irisches Tagebuch ist ein sehr persönliches, poetisches Reisebuch: Ralph Giordano, der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller, Journalist und Regisseur, durchstreift die Insel und sucht das Gespräch mit den Menschen. In der Schilderung seiner Erlebnisse bringt er dem Leser das Land auf seine ganz eigene Art nahe.

Er folgt den Spuren irischer Dichter und findet schließlich am Lough Sheelin sein lebenslang gesuchtes Paradies.

Ralph Giordano hat ein bewegtes Leben geführt, bedeutende Bücher geschrieben, zahlreiche Filme gedreht, nicht wenige Ausgrenzungen erlebt, aber auch politische Irrtümer begangen. Als streitbarer Publizist hat er einen bedeutsamen Beitrag zur Entwicklung der demokratischen Kultur in Deutschland geleistet. Jetzt, im Alter von 84 Jahren, hat er seine Autobiographie geschrieben. Er nennt sie die „Erinnerungen eines Davongekommenen“, denn das Wunder seines Überlebens hat sein ganzes späteres Leben geprägt. Giordano wurde 1923 in Hamburg geboren, seine Mutter war Jüdin, sein Vater stammte aus Sizilien, und bis 1945 erlebte er Jahre des Hungers und der Flucht vor der Deportation. Entsprechend kämpferisch fällt sein Rückblick aus. Hier wird ein Zeitalter besichtigt, gespiegelt in der Biographie eines Mannes von unerschöpflicher Kreativität und Aktivität. Wir werden Zeugen, wie der Schwur, Deutschland zu verlassen, allmählich dahinschmilzt und wie er hartnäckig um ein schwer erreichbares Ziel kämpft: Zugehörigkeit.

Ich bin angenagelt an dieses Land.
Seinen literarischen Durchbruch erfuhr Giordano mit dem grandiosen Roman „Die Bertinis“ (1982), ein stark autobiographisch gespeistes Werk, an dem der Autor 40 Jahre gearbeitet hat und das 1988 für das ZDF verfilmt wurde. Bis 1988 als Fernsehjournalist tätig, hat er seitdem mehr als 100 Filme und Dokumentationen gedreht. Zu seinen wichtigsten Büchern gehören „Morris. Geschichte einer Freundschaft“ (1948), „Die Partei hat immer recht“ (1961), „Die zweite Schuld oder Von der Last ein Deutscher zu sein“ (1987), „Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte. Die Pläne der Nazis nach dem Endsieg“ (1989), „Armenien – Kleines Volk mit großem Erbe“ (1989), „Israel, um Himmels willen, Israel“ (1991), „Ich bin angenagelt an dieses Land. Reden und Aufsätze über die deutsche Vergangenheit und Gegenwart.“ (1994) „Mein irisches Tagebuch“ (1996), „Deutschlandreise. Aufzeichnungen aus einer schwierigen Heimat“ (1998), „Die Traditionslüge. Vom Kriegerkult der Bundeswehr“ (2000), „Sizilien. Sizilien! Eine Heimkehr“ (2002). In Rietberg liest Ralph Giordano aus seiner Autobiographie „Erinnerungen eines Davongekommenen“, erschienen im Jahre 2007 und vielleicht, wie er sagt, sein letztes Buch.

 

3 Kommentare buchmäuschen verlinken 8.12.08 10:56, kommentieren