Metaphern und Symbole

Wer schreibt, schreibt meist in Symbolen und Metaphern - sei es nun in einem Gedicht oder in einer Kurzgeschichte. Manchmal werden diese beiden Wörter synonym verwendet, deswegen soll an dieser Stelle einmal der Unterschied erklärt werden.

Das Symbol {griech. sym bolon: „Zeichen bzw. Kennzeichen“} ist ein Sinnbild, das stellvertretend ist für etwas nicht unmittelbar sinnlich zu Erfassendes. Abstrakte Vorstellungen und Erfahrungen werden in konkreten und anschaulichen Gegenständen, Handlungen, Sachverhalten dargestellt. Zum Beispiel ist die Taube ein Symbol des Friedens - Frieden ist eine abstrakte Vorstellung, aber durch das Bild der Taube weiß fast jeder Leser, was gemeint ist.

Das Symbol ist ein Ausdrucksmittel, das im dargestellten Gegenstand oder Vorgang über seine eigentliche Bedeutung hinaus größere Zusammenhänge sichtbar macht. Dabei muß es mit dem Objekt, auf das es sich bezieht, keine konkrete sinnliche Ähnlichkeit aufweisen.

Es gibt unzählige Symbole, und oftmals haben sie ganz unterschiedliche Bedeutungen. Zum Beispiel ist „Wasser“ seit jeher ein Symbol des Lebens, aber auch des Todes - es kommt ganz darauf an, in welchem Zusammenhang davon die Rede ist. Oder wie wäre es mit „Feuer“? Es kann sowohl ein Symbol für Liebe sein, als auch für Zerstörung.

Die Metapher {griech. meta phora: „Herantragen“ bzw. „Übertragung“} wird seit der Antike als verkürzter bildhafter Vergleich erklärt. Es geht aber weniger um ein rationales Vergleichen zweier Gegenstandsbereiche als vielmehr um das Zusammenbringen von Auseinanderliegendem in einem Bild.

Die Metapher ersetzt die eigentliche Vorstellung durch eine, die ihr ähnlich ist. So entsteht aus einer bloßen Folge von Gedanken der Flug der Gedanken und daraus, durch nochmalige Verkürzung, der Gedankenflug. Oder aus dem Himmel, der sich wie ein Zelt über uns spannt, das Himmelszelt. Durch dieses Übertragen der darzustellenden Welt auf eine bildliche Welt wird die Phantasie des Lesers angeregt.

Am besten kann man es wohl mit den Worten von Jürgen von Schneidt zusammenfassen, der in seinem Buch „Kurzgeschichten schreiben“ folgendes zu dem Thema anmerkt:
„… in dem Augenblick, wo ein Fremder, der Leser, sich diesem Text nähert, regen diese Sinnbilder Gedächtnis und Phantasie an, und Symbol wie Metapher öffnen Fenster, Türen, Tore in ganze Universen von Bedeutung. Jeder kann sich das herausnehmen, was er hineinzulegen bereit ist. Der Dichter setzt gewissermaßen nur die Samen in den Acker, ernten muß man selbst {schon wieder ein Symbol? Metapher?…}“

[Claudia Silberborth]
Erschienen in meiner Zeitschrift WortWelteN 03/1999

Wortman am 23.4.08 01:43

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


wortman (23.4.08 21:25)
siehst du


buchmäuschen (27.5.08 17:00)
Mensch, das hab ich gerade letztes Jahr im Fernstudium gelernt ... wenn man nicht alles ab und an wiederholt ist es wieder vergessen!

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