Schreibtips

Textkritik: Sätze wie Geisterfahrer

Wie ein Geisterfahrer knallt manchmal ein letzter Satz oder ein letztes Wort in einen Text und macht alles zunichte. Gerade Anfänger überspannen oftmals den Bogen. Sie meinen, sie müssten am Ende ihres Textes nochmals besonders originell sein oder müssten nochmals etwas deutlich und auch für den Dümmsten erklären, was eigentlich zwischen den Zeilen davor deutlich gesagt war.

Machen Sie bei Ihren Kurzgeschichten einmal den Crashtest und lassen Sie den letzten Satz, die letzten Sätze oder den letzten Absatz weg. Häufig werden Sie merken, dass dem Text nichts fehlt und er immer noch »funktioniert«. Vielleicht wird er sogar besser.

Aus www.literaturcafe.de

2 Kommentare buchmäuschen am 25.9.08 08:13, kommentieren

Der Stoff aus dem die Bücher sind

Jeder Autor ist täglich von dem Stoff, aus dem sein Roman
werden kann, umgeben. Dazu muss er aufmerksam beobachten und fleißig
schreiben. Dann schmerzt vielleicht der Alltag in den Bürostuben oder
anderswo nicht so sehr. Schließlich braucht der Autor cash zum Überleben,
hinzu kommt das Gratisromanmaterial, aus dem womöglich ein Bestseller
entsteht oder wenigstens ein klitzekleiner Förderpreis? Naja, man muss ja
nicht gleich nach den Sternen greifen.

1 Kommentar Buchmäuschen am 8.5.08 18:45, kommentieren

Metaphern und Symbole

Wer schreibt, schreibt meist in Symbolen und Metaphern - sei es nun in einem Gedicht oder in einer Kurzgeschichte. Manchmal werden diese beiden Wörter synonym verwendet, deswegen soll an dieser Stelle einmal der Unterschied erklärt werden.

Das Symbol {griech. sym bolon: „Zeichen bzw. Kennzeichen“} ist ein Sinnbild, das stellvertretend ist für etwas nicht unmittelbar sinnlich zu Erfassendes. Abstrakte Vorstellungen und Erfahrungen werden in konkreten und anschaulichen Gegenständen, Handlungen, Sachverhalten dargestellt. Zum Beispiel ist die Taube ein Symbol des Friedens - Frieden ist eine abstrakte Vorstellung, aber durch das Bild der Taube weiß fast jeder Leser, was gemeint ist.

Das Symbol ist ein Ausdrucksmittel, das im dargestellten Gegenstand oder Vorgang über seine eigentliche Bedeutung hinaus größere Zusammenhänge sichtbar macht. Dabei muß es mit dem Objekt, auf das es sich bezieht, keine konkrete sinnliche Ähnlichkeit aufweisen.

Es gibt unzählige Symbole, und oftmals haben sie ganz unterschiedliche Bedeutungen. Zum Beispiel ist „Wasser“ seit jeher ein Symbol des Lebens, aber auch des Todes - es kommt ganz darauf an, in welchem Zusammenhang davon die Rede ist. Oder wie wäre es mit „Feuer“? Es kann sowohl ein Symbol für Liebe sein, als auch für Zerstörung.

Die Metapher {griech. meta phora: „Herantragen“ bzw. „Übertragung“} wird seit der Antike als verkürzter bildhafter Vergleich erklärt. Es geht aber weniger um ein rationales Vergleichen zweier Gegenstandsbereiche als vielmehr um das Zusammenbringen von Auseinanderliegendem in einem Bild.

Die Metapher ersetzt die eigentliche Vorstellung durch eine, die ihr ähnlich ist. So entsteht aus einer bloßen Folge von Gedanken der Flug der Gedanken und daraus, durch nochmalige Verkürzung, der Gedankenflug. Oder aus dem Himmel, der sich wie ein Zelt über uns spannt, das Himmelszelt. Durch dieses Übertragen der darzustellenden Welt auf eine bildliche Welt wird die Phantasie des Lesers angeregt.

Am besten kann man es wohl mit den Worten von Jürgen von Schneidt zusammenfassen, der in seinem Buch „Kurzgeschichten schreiben“ folgendes zu dem Thema anmerkt:
„… in dem Augenblick, wo ein Fremder, der Leser, sich diesem Text nähert, regen diese Sinnbilder Gedächtnis und Phantasie an, und Symbol wie Metapher öffnen Fenster, Türen, Tore in ganze Universen von Bedeutung. Jeder kann sich das herausnehmen, was er hineinzulegen bereit ist. Der Dichter setzt gewissermaßen nur die Samen in den Acker, ernten muß man selbst {schon wieder ein Symbol? Metapher?…}“

[Claudia Silberborth]
Erschienen in meiner Zeitschrift WortWelteN 03/1999

3 Kommentare Wortman am 23.4.08 01:43, kommentieren

18 1/2 Schreibtipps

1. Schriftsteller lesen, wenn sie nicht schreiben.
2. Schreibe jeden Tag, dann wirst du von Tag zu Tag besser.
3. Gedichte müssen sich nicht reimen.
4. Denke nicht in Phrasen, vor allem schreibe sie nicht.
5. Ein Text der dich selbst nicht begeistert, wird deine Leser nicht am Gähnen hindern.
6. Auch Schriftststeller sind Leser, sie lesen immer und überall.
7. Mach’ dir eine Liste von Wörtern, die du sichtlich zu oft benutzt.
8. Stell eine Liste von Büchern zusammen, die du unbedingt lesen willst.
9. Und eine zweite von denen, die du auf jeden Fall lesen musst.
10. Welche Themen, Menschen, Orte etc. interessieren dich brennend? Schreib das auf.
11. Über dich im Plagiat: Schreibe jeden Tag eine Buchseite von einem Schriftsteller ab, den du bewunderst.
12. Nimm deinen eigenen Text und übertrage ihn in den Stil des verehrten Romanciers.
13. Ein Text muß nicht immer philosophischen Tiefgang haben.
14. Vergiß dein Notizheft und Schreibstift nicht.
15. Jeder Tag ist eine Wundertüte: Immer ist eine Überraschung drin.
16. Geh unter Menschen, auf eine Demo, in Ausstellungen, ins Kino oder in ein Konzert.
17. Wolltest du nicht schon immer wissen wie es ist, jemand anders zu sein? Erzähle ein Ereignis aus der Sicht von verschiedenen Personen.
18. Du bestehst nicht nur aus Kopf: Genieße Essen und Sex und halte dich fit durch Großputz, Wohnung umräumen, schwimmen und lange Spaziergänge,
19. Ende der Schonzeit: Fang endlich an mit dem Schreiben!

5 Kommentare buchmäuschen am 21.4.08 17:45, kommentieren